Daten

Quellen

Auf welchen Studien beruhen die Aussagen, und wie belastbar sind sie? Prüfstatus: gelesen = Originalquelle gelesen, nachgerechnet = aus Daten selbst reproduziert, umstritten = es gibt belastbare Gegenbefunde.

Metaanalyse

  1. Langlois u. a. (2000) gelesen

    Maxims or myths of beauty? A meta-analytic and theoretical review. Psychological Bulletin 126(3), 390–423

    Übereinstimmung der Urteile innerhalb einer Kultur: Gruppenmittel r = 0,90, zwei Einzelne r = 0,47; zwischen Kulturen 0,94. Attraktive Erwachsene werden positiver beurteilt (d = 0,50) und besser behandelt (d = 0,54); tatsächliche Intelligenz praktisch gleich (d = 0,07).

    Elf Metaanalysen; Übereinstimmung 88 Stichproben (Tabelle 3); Verhalten/Eigenschaften k = 132, n = 13.920.

  2. Rhodes (2006) gelesen

    The evolutionary psychology of facial beauty. Annual Review of Psychology 57, 199–226

    Effekte auf Attraktivität (echte Gesichter): Durchschnittlichkeit r = 0,40, Symmetrie 0,23, Weiblichkeit von Frauengesichtern 0,64 (alle Studien), Männlichkeit von Männergesichtern 0,35 (über alle Studien −0,12). Zusammenhang mit Gesundheit „far from strong“.

    Tabelle 1: 10–23 Studien je Merkmal, 18–63 Gesichtsstichproben.

Studie

  1. Langlois & Roggman (1990) gelesen

    Attractive faces are only average. Psychological Science 1, 115–121

    Digitale Durchschnittsgesichter werden attraktiver bewertet als fast alle Einzelgesichter, umso mehr, je mehr Gesichter einfließen.

    Je drei männliche und weibliche Stichproben; Methodendetails (192 Gesichter, 2–32er-Composites) nur sekundär belegt.

  2. Hamermesh & Biddle (1994) gelesen

    Beauty and the labor market. American Economic Review 84(5), 1174–1194

    Lohnabschlag für unterdurchschnittlich Attraktive 5–10 %, etwas größer als der Aufschlag für Schöne.

    Interviewer-Einschätzungen in drei Surveys (USA, Kanada).

  3. Perrett, May & Yoshikawa (1994) gelesen

    Facial shape and judgements of female attractiveness. Nature 368, 239–242

    Der Durchschnitt attraktiver Gesichter wird dem Durchschnitt aller vorgezogen; Übertreiben seiner Abweichung erhöht die Attraktivität weiter. Japanische und kaukasische Beobachter urteilen gleichsinnig.

  4. Kalick u. a. (1998) gelesen

    Does human facial attractiveness honestly advertise health? Longitudinal data on an evolutionary question. Psychological Science 9, 8–13

    Attraktivität hing weder mit der Gesundheit in der Jugend noch später zusammen; Attraktive wurden fälschlich für gesünder gehalten. Ohne Attraktivität waren Gesundheitsurteile treffsicherer.

    Fotos von 164 Männern und 169 Frauen in der späten Adoleszenz, Längsschnitt.

  5. Fink, Grammer & Thornhill (2001) gelesen

    Human (Homo sapiens) facial attractiveness in relation to skin texture and color. Journal of Comparative Psychology 115, 92–99

    Homogenere Hauttextur korreliert positiv mit Attraktivität.

  6. Rhodes u. a. (2001) gelesen

    Do facial averageness and symmetry signal health?. Evolution and Human Behavior 22, 31–46

    Asymmetrie hing nicht mit tatsächlicher Gesundheit zusammen; sehr untypische Gesichter teils mit schlechterer Gesundheit.

  7. Hönekopp (2006) gelesen

    Once more: Is beauty in the eye of the beholder? Relative contributions of private and shared taste to judgments of facial attractiveness. Journal of Experimental Psychology: Human Perception and Performance 32, 199–209

    Etwa die Hälfte der zeitstabilen Varianz im Urteil ist privater Geschmack (Beholder-Index 0,44–0,65 je nach Experiment und Variante).

    Wiederholte Urteile; Übereinstimmung zweier Rater r ≈ 0,31–0,43 bei Cronbachs α 0,93–0,99.

  8. Mobius & Rosenblat (2006) gelesen

    Why beauty matters. American Economic Review 96(1), 222–235

    12–13 % mehr Lohn je Standardabweichung Schönheit, sobald Arbeitgeber Foto oder Stimme kennen; kein Aufschlag bei nur Lebenslauf.

    330 Teilnehmende in Tucumán (Argentinien), Laborarbeitsmarkt.

  9. Matts u. a. (2007) gelesen

    Color homogeneity and visual perception of age, health, and attractiveness of female facial skin. Journal of the American Academy of Dermatology 57, 977–984

    Gleichmäßigere Hautfarbe korreliert mit Attraktivität, Gesundheit und Jugendlichkeit (alle r > 0,40), mit geschätztem Alter r = −0,45.

    170 Hautausschnitte, 353 Rater.

  10. Christensen u. a. (2009) gelesen

    Perceived age as clinically useful biomarker of ageing: cohort study. BMJ 339, b5262

    Älter Aussehende sterben früher: HR 1,08 je Jahr geschätzten Alters, bereinigt um Alter und Geschlecht; innerhalb von Zwillingspaaren starb eher der älter Aussehende zuerst.

    1.826 dänische Zwillinge ab 70, 41 Rater; nach Kontrolle körperlicher und kognitiver Maße HR 1,03.

  11. Axelsson u. a. (2010) gelesen

    Beauty sleep: experimental study on the perceived health and attractiveness of sleep deprived people. BMJ 341, c6614

    Nach 31 Stunden Wachsein wirkten Menschen weniger gesund, weniger attraktiv und müder.

    23 Fotografierte, 65 Rater.

  12. Whitehead u. a. (2012) gelesen

    You are what you eat: within-subject increases in fruit and vegetable consumption confer beneficial skin-color changes. PLOS ONE 7(3), e32988

    Mehr Obst und Gemüse verändert die Hautfarbe messbar nach 6 Wochen (nach 3 Wochen nicht).

    N = 35, nur helle Haut; Portionsschwellen (+2,9 für gesünderes Aussehen) aus Vergleich zwischen Personen.

  13. Pound u. a. (2014) gelesen

    Facial fluctuating asymmetry is not associated with childhood ill-health in a large British cohort study. Proceedings of the Royal Society B 281, 20141639

    Keine Beziehung zwischen Gesichtsasymmetrie und Krankheiten in der Kindheit; mit dem IQ mit 8 Jahren nur r = −0,04.

    4.732 Jugendliche der ALSPAC-Kohorte, 3D-Scans mit 15 Jahren.

  14. Germine u. a. (2015) gelesen

    Individual aesthetic preferences for faces are shaped mostly by environments, not genes. Current Biology 25, 2684–2689

    48 % der Varianz der Urteile sind geteilter, 52 % individueller Geschmack; der individuelle Teil zu 22 % genetisch, sonst individuelle Umwelt.

    547 eineiige und 214 zweieiige Zwillingspaare plus 660 Einzelpersonen, 200 Gesichter.

  15. Foo, Simmons & Rhodes (2017) gelesen

    Predictors of facial attractiveness and health in humans. Scientific Reports 7, 39731

    Nur schwache Zusammenhänge zwischen attraktiven Merkmalen und Gesundheit (Immunfunktion, oxidativer Stress, Spermienqualität); Hautfarbe sagte Attraktivität nicht vorher.

    101 Männer, 80 Frauen.

  16. Sundelin u. a. (2017) gelesen

    Negative effects of restricted sleep on facial appearance and social appeal. Royal Society Open Science 4, 160918

    Nach zwei Nächten mit zu wenig Schlaf wirkten Menschen weniger attraktiv; Rater wollten weniger gern Kontakt.

    25 Fotografierte, 122 Rater.

  17. Axelsson u. a. (2018) gelesen

    Identification of acutely sick people and facial cues of sickness. Proceedings of the Royal Society B 285, 20172430

    Zwei Stunden nach Endotoxin-Gabe wurden Kranke auf Fotos über Zufall erkannt (AUC 0,62): blassere Lippen und Haut, geschwollenes Gesicht, hängende Lider und Mundwinkel.

  18. Cai u. a. (2019) gelesen

    No evidence that facial attractiveness, femininity, averageness, or coloration are cues to susceptibility to infectious illnesses in a university sample of young adult women. Evolution and Human Behavior 40, 156–159

    Kein Zusammenhang zwischen Attraktivität, Weiblichkeit, Durchschnittlichkeit oder Hautfarbe und Infektanfälligkeit.

    N = 590 Frauen, davon 221 mit Speichel-IgA.

Übersichtsarbeit

  1. Thornhill & Gangestad (1999) gelesen

    Facial attractiveness. Trends in Cognitive Sciences 3, 452–460

    Übersicht zur Hypothese, Attraktivität signalisiere Gesundheit und genetische Qualität.

    Keine eigenen Daten.

  2. Jones, Holzleitner & Shiramizu (2021) gelesen

    Does facial attractiveness really signal immunocompetence?. Trends in Cognitive Sciences 25, 1018–1020

    Die Immunkompetenz-Hypothese habe wenig überzeugende Belege; Formweiblichkeit erklärt etwa 11 % der Attraktivität, Form und Farbe zusammen etwa 40 %. Vorschlag: Schönheit als Signal für Lebensstil.

    Meinungsbeitrag, keine eigene Studie.

Datensatz

  1. DeBruine & Jones (2017) nachgerechnet

    Face Research Lab London Set. figshare, Datensatz (v1–v5, CC BY 4.0)

    102 Gesichter Erwachsener (London 2012), Fotos 1350×1350 px mit 189-Punkt-Templates; Attraktivitätsurteile von 2.513 Ratern (1–7). Einwilligung zur Nutzung „in their original or altered forms and to illustrate research“.

    Eigene Auswertung: Konsens der Rater, Procrustes-Formmaße, Composites (analysis/gesicht-merkmale-2026-10-03).